60 Kilometer, die verbinden: das Trauerwandern auf dem Jakobsweg

Bei herrlichem Spätsommerwetter haben acht Teilnehmerinnen und Teilnehmer und zwei Trauerbegleiterinnen Ende September eine 60 Kilometer lange Strecke des Südostbayerischen Jakobsweges bewältigt. Bei der viertägigen Wanderung von Tacherting über Seeon und Wasserburg nach Rott am Inn war viel Zeit für den Austausch mit anderen Betroffenen, für neue Impulse und das Spüren der Bewegung im Körper und Geist.

Zeit und Raum für die Trauer

Oft fühlt sich Trauer wie eine innere Erstarrung an - wir fühlen uns wie versteinert, isoliert und aus der Zeit geworfen. Beim Gehen kommt nicht nur der Körper in Bewegung, sondern auch der Kopf und die Seele. Eine gemeinsame Wanderung gibt Zeit und Raum für die Trauer, ohne dass wir zu einer Auseinandersetzung gezwungen werden. Sie gibt die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen, die Bewegung zu spüren oder einfach innezuhalten.

60 Kilometer von Tacherting bis Rott am Inn

Der wohl bekannteste Teil des Jakobswegs ist der Camino Francès, der von den Pyrenäen nach Santiago di Compostela führt, wo der heilige Apostel Jakobus seine letzte Ruhestätte gefunden haben soll. Doch auch in Deutschland gibt es zahlreiche Wanderrouten des Jakobswegs. So machte sich unsere Wandergruppe am 23. September mit dem Zug auf den Weg von München nach Tacherting an der Alz, um in vier Tagen 60 Kilometer des Südostbayerischen Jakobswegs gemeinsam zu bezwingen. Die abwechslungsreiche Route führte westwärts über Altenmarkt an der Alz über Seeon, Obing und Wasserburg bis nach Rott am Inn - vorbei an sattgrünen Wiesen, weiten Feldern und tiefblauen Seen.

Eine Auszeit, die stärkt und verbindet

Während der verdienten Pausen lernten die Teilnehmer sich immer besser kennen, ließen sich einen Kaffee in der Sonne schmecken oder entschieden sich ganz spontan für ein erfrischendes Bad im Inn.

Nicht nur das stolze Gefühl einen sehr langen Weg bezwungen zu haben bleibt der Gruppe nach der gemeinsamen Zeit. Die vier Wandertage schweißten auch ordentlich zusammen: schon von Anfang an war Herzlichkeit, Vertrauen, Achtsamkeit und ein solidarisches Miteinander in der Gruppe zu spüren. So wurde beim letzten gemeinsamen Abendessen schon mal geschwisterlich geteilt, als es nicht genug Knödel für jeden gab.

Am 26. September erreichte die Wandergruppe schließlich den Zielort Rott am Inn und trat die Rückfahrt zurück nach München an. Um ein Stimmungsbild zu bekommen und diese Trauerwanderung zu resümieren, baten die beiden Trauerbegleiterinnen zum Abschluss die Teilnehmer ein Wort zu nennen, das sie mit den vier Wandertagen assoziieren. Die Antworten lassen ein schönes und positives Bild im Kopf entstehen: Genannt wurden unter anderem „inspiriert“, „Auszeit“, „bewegend“, „Kraft“ oder auch  „Leichtigkeit“.

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