Die Stiftung, das sind wir – Folge 3: Corinna Lutz

Einen bunten Hund – so könnte man Corinna nicht nur wegen ihrer farbenfrohen Outfits nennen. Wo sie den Raum betritt, ist ihr die Aufmerksamkeit sicher. Die vielen Trauernden, die sie über die Jahre begleitet hat, kennen sie aber noch von einer ganz anderen Seite: als mitfühlende, verständnisvolle und unterstützende Weggefährtin. Zeit, das Stiftungs-Urgestein näher kennenzulernen: mit fünf Fragen und fünf Antworten.

Corinna Lutz IntroCorinna, was hat Dich zur Stiftung gebracht?
Der Tod meines Partners im Sommer ´98. Damals war die Stiftung aber noch gar keine Stiftung. Drei Monate nach Peters Tod kam ich gerade aus einem Spanienurlaub zurück und fand im Briefkasten einen Artikel, ein Interview mit Martina Nicolaidis aus der Süddeutschen Zeitung. Eine Freundin hatte den Text bei mir eingeschmissen und meinte: „Melde dich da mal.“ Das habe ich dann auch gemacht. Ich hatte gleich Martina am Telefon. Wir haben uns gut verstanden und sie hat mir einen Platz in einer der beiden Trauergruppen gegeben. Nach einem Dreivierteljahr habe ich selber die Gruppenleitung übernommen, damals war das ja noch ganz klassische Selbsthilfe. Seitdem bin ich Mitarbeiterin.

 

Was ist heute Deine Aufgabe?
Nachdem ich jahrelang Trauergruppen geleitet, Vorträge gehalten und Gruppen in anderen Städten aufgebaut habe, begleite ich jetzt rund 10 bis 15 Trauernde am Telefon, die ihren Partner verloren haben. Von Montag bis Mittwoch führe ich die Gespräche.

Du kennst die Stiftung (bzw. das, was sie vorher war) fast von Anfang an. Wenn du zurückschaust: Was waren die berührendsten Momente in deiner Arbeit?
Ach, ich hatte mit so vielen tollen Menschen zu tun, da ist es schwer, einzelne Momente herauszugreifen. Aber vielleicht gebe ich mal zwei Beispiele aus der letzten Zeit: Ich habe eine Frau begleitet mit einer sehr dramatischen Geschichte und vielen Problemen. Sie kämpfte kurzzeitig mit Panikattacken und sah überhaupt keine lebenswerte Zukunft vor sich. Jetzt hat sie mir erzählt, dass sie mit ihrem neuen Freund ein Baby bekommt. Eine andere Betroffene, die schon lange nicht mehr bei mir in Begleitung ist und von der ich ewig nichts gehört habe, hat sie mir plötzlich eine SMS geschickt, um mir zu sagen, dass sie sich neu verliebt hat. So etwas berührt mich sehr. Fast alle Menschen finden einen guten Weg durch die Trauer und haben irgendwann wieder Freude am Leben. Das mitzuerleben und diese Entwicklung mitzubegleiten, ist wirklich schön.

Was machst du, wenn du nicht gerade am Telefon hängst und Trauernde begleitest?
Dann kümmere ich mich um meinen schwerbehinderten Sohn Maxi, den Haushalt und den Garten. Ich versuche außerdem, wieder mehr Klavier zu spielen, tanze Flamenco, gehe zur Wirbelsäulengymnastik, liebe Spaziergänge und mache im Moment einen Spanischkurs.

Und was weiß garantiert noch keiner von dir?
Als ich ungefähr acht Jahre alt war, hat meine Oma bei der Fischer-Vroni auf der Wiesn gearbeitet. Dort habe ich mir von Fritz und Elmar Wepper ein Autogramm geholt. Und vom Elmar Wepper habe ich sogar ein Bussi bekommen.

 

Zur Person

CORINNA, "noch 50", hat Kinderpflegerin und Bankkauffrau gelernt. Nach dem Tod ihres Partners hat sie eine Ausbildung zum NLP-Coach absolviert.

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